Zumindest zweimal im Jahr veranstalten wir öffentlich zugängliche, stilechte Tramwaysonderfahrten, bei denen die Garnitur an ausgewählten Stellen mit der authentischen Linienbesteckung versehen wird und zum Fotografieren bereitsteht. In der Regel kommen dabei Fahrzeuge aus unserem historischen Betriebswagenpark zum Einsatz. Doch auch Sonderfahrten mit Garnituren aus dem Wiener Straßenbahnmuseum, die normalerweise nicht zu kommerziellen Fahrten herangezogen werden, stehen mitunter auf dem Programm.
Ebenso sind wir an den meisten Festveranstaltungen der Wiener Straßenbahn, sei es in Ausstellungen oder als Zubringerdienst anlässlich des alljährlich stattfindenden Wiener Tramwaytages und der Kulturveranstaltung „Lange Nacht der Museen“, mit unseren historischen Fahrzeugen beteiligt. Den überwiegenden Anteil nehmen jedoch die Fahrten zu touristischen Zwecken ein.
Die Abwicklung des Fahrbetriebes samt den damit verbundenen Instandsetzungs- und Restaurierungsarbeiten mit einem jährlichen Aufwand von etwa 8500 Stunden erfordert den vollen Einsatz unserer ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter. Einen wesentlichen Anteil der Arbeitsleistungen nehmen dabei die regelmäßigen Revisionsarbeiten zur Aufrechterhaltung eines sicheren Betriebes der Fahrzeuge ein. Zu diesem Zwecke legten einige unserer Mitarbeiter die einschlägigen Prüfungen nach den Vorschriften der Wiener Linien ab. Zusätzlich zu den eigenverantwortlich vorgenommenen Revisionen erfolgt einmal im Jahr eine gründliche Revision durch die Werkstätte des Wiener Straßenbahnmuseums und eine Überprüfung durch die Messpartie der Wiener Linien.
Auch bei größeren Vorhaben standen unsere versierten Mitarbeiter in der Vergangenheit ständig im Einsatz, doch ist bei derartigen umfangreichen Arbeiten eine begleitende Bauüberwachung durch einen Beauftragten der Aufsichtsbehörde erforderlich. Die Wahrung der historischen Substanz, die Verwendung originaler Materialien und deren Verarbeitung nach althergebrachten Handwerksmethoden besitzt dabei oberste Priorität. In den Jahren seit dem Bestehen der VEF-Arbeitsgruppe Straßenbahn konnten nachstehend angeführte maßgebenden Fahrzeugrestaurierungen und -rekonstruktionen vorgenommen werden.
| T1 408 | Ankauf von einem Steinmetz in St. Pölten im Jahre 1983 Transport mit dem Tieflader nach Wien Generalüberholung und Neulackierung Inbetriebnahme im Jahre 1986 Erneuerung der Dachaufbauten im Jahre 1998 Generalinstandsetzung des Fahrgestells im Jahre 2005 |
| M1 4152 | Ankauf des Messpartie-Triebwagens MR 6152 nach dem
Ausscheiden aus dem Arbeitswagenstand der WStW-VB im Jahre 1986 Gründliche Überholung und Lackierung in den Manner-Firmenfarben Rekonstruktion des Innenraumes im Zustand von 1964 bis 1972 Inbetriebnahme für den Personenverkehr im Jahre 1998 Einsatz als Totalwerbewagen für die Firma Manner von 1992 bis 2002 Neulackierung in rot weißer Farbgebung im Jahre 2004 |
| M 4149 | Übernahme von einer Privatperson im Jahre 1990 Transport mit dem Straßenroller nach Wien Rekonstruktion des Wagenkastens und Erneuerung des Daches Generalüberholung und Neulackierung Inbetriebnahme im Jahre 1995 |
| F 711 | Ankauf von den WStW-VB nach der Ausmusterung im Jahre 1996 Schrittweise Restaurierung in den Zustand zwischen 1973 und 1980 |
| K 2447 | Generalüberholung in mehreren Tranchen Restaurierung der Inneneinrichtung und Neulackierung im Jahre 1988 Generalüberholung des mechanischen Teiles und der Fahrmotore im Jahre 1995 Austausch der Achsen im Jahre 1999 Generalsanierung der Holzfensterrahmen, Erneuerung der Trittstufenkästen und Neulackierung des Untergestells im Jahre 2001 |
| M 4023 | Generalüberholung in zwei Schritten Neulackierung im Jahre 1993 Erneuerung der Dachbespannung und der Dachaufbauten, sowie teilweise Neuverkabelung und Generalüberholung des Untergestelles im Jahre 2000 |
| m3 5419 | Übernahme von einer Privatperson im Jahre 1987 Transport mit dem Straßenroller nach Wien Generalüberholung und Neulackierung Rekonstruktion des Innenraumes mit Holzverkleidung Rückbau auf Lampenbeleuchtung Ersatz der Stabeg-Lüfter durch Flettner-Lüfter Inbetriebnahme im Jahre 1989 |
| k3 1627 k3 1630 |
Ankauf der Beiwagen sz3 7208 und 7227 nach der Ausmusterung aus dem Arbeitswagenstand von den WStW-VB im
Jahre 1988 Generalüberholung und Neulackierung Rekonstruktion der Inneneinrichtung Neuanfertigung der Schienenbremseinrichtung Inbetriebnahme im Jahre 1990 und 1991 |
| m3 5400 | Ankauf vom Verein WTM im Jahre 1996 Gründliche Überholung und Sanierung des Innenraumes Einsatz als Manner-Totalwerbewagen zwischen 1996 und 2002 Generalüberholung und Neulackierung im Jahre 2003 |
| m3 5312 | Übernahme von der „Electrische Museumstramlijn
Amsterdam“ im Jahre 2008 Transport mit dem Straßenroller nach Wien Generalüberholung und Neulackierung Inbetriebnahme im Jahre 2009 |
Neben diesen Großvorhaben erfuhren die M-Triebwagen 4134 sowie die m3-Beiwagen 5235 und 5376 eine gründliche Überholung mit anschließendem Neulack. Sämtliche Fahrzeuge präsentieren sich nicht nur technisch sondern auch optisch in einem einwandfreien Zustand, deren Anblick das Herz jedes Straßenbahnenthusiasten höher schlagen und die Fahrt zu einem einmaligen Erlebnis werden lässt.
Des Weiteren wurden zur Gewinnung von dringend benötigten Ersatzteilen in den vergangenen Jahren der MH-Triebwagen 6334 sowie die Beiwagen sz3 7210 und mg 7125 gekauft, von unseren Mitarbeitern ausgeschlachtet und der Rest verschrottet. Für den im Jahre 1993 erworbenen L-Triebwagen 515, dessen Erhaltung aus mehreren Gründen nicht weiter verfolgt wurde, ergab sich letztendlich eine geeignete Weiterverwendung im "Geriatriezentrum am Wienerwald" um den genesenden Patienten für Übungen zum Ein- und Aussteigen in Straßenbahnen zu dienen. Dabei kamen auch alle für den neuen Verwendungszweck nicht mehr benötigten Einrichtungen zum Ausbau und konnten unserem Ersatzteillager zugeführt werden. Im Gegenzug konnte dadurch der l3-Beiwagen 1852, der bislang diesen Zweck erfüllte, in unser Eigentum übergeführt werden.
Einen Meilenstein zur Sicherung der uneingeschränkten Einsetzbarkeit unseres Fahrzeugparks stellt sicherlich die Entscheidung dar, sämtliche Triebwagen mit der induktiven Weichensteuerung nach dem System Vetag auszurüsten. Die Notwendigkeit ergab sich nachdem bis zum 12. November 1998 nahezu sämtliche Oberleitungskontakte an den Vetag-Weichen ausgeschaltet und alsbald entfernt wurden. Diese Weichen konnten von unseren Triebwagen nicht mehr durch befahren der Kontakte mit Fahrstrom betätigt, sondern mussten händisch gestellt werden. Vor allem dort wo über die Weichenstellung die Ampelphasen angefordert werden, ergab sich daraus eine umständliche Prozedur, da der Zugsbegleiter die Weichen händisch umstellen und über Drehschalter die Phasen anfordern musste. Um die Oldtimer nicht zu ungeliebten Fremdkörpern im Streckennetz der Wiener Straßenbahn zu degradieren, begann dieses Vorhaben unter dem Einsatz beträchtlicher finanzieller Mittel und einem erheblichen Arbeitsaufwand im Jahre 2000 und konnte bis Jahresende 2001 abgeschlossen werden.
Durch die in punkto Wagenrestaurierung und -rekonstruktion erlangte Fachkompetenz und die in der Remise Speising eingerichtete Werkstätteninfrastruktur war es im September 2005 möglich die Generalinstandsetzung des u3-Beiwagens 1948 in Angriff zu nehmen. Dieser wurde zwar bereits im Jahre 1970 vor der Verschrottung gerettet und 1985 in den Museumswagenstand des Wiener Straßenbahnmuseums eingegliedert, sein Zustand war jedoch wenig erbaulich. Ende April 2008 war es endlich soweit und das aufwändige Projekt konnte, nach einem Arbeitsaufwand von 1907 unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden des harten Kerns der Mitarbeiter der VEF-Arbeitsgruppe Straßenbahn, abgeschlossen werden. Bei allen Arbeiten war die Dokumentation der verwendeten Materialien und die Überwachung des Baufortschrittes durch eine §40-EisbG-Person obligat, um den uneingeschränkten Einsatz als betriebsfähiger Museumswagen zu ermöglichen. In der ersten Anfang Mai 2008 erfolgte die Überführung ins Wiener Straßenbahnmuseum, dessen umfangreiche Fahrzeugausstellung der u3-Beiwagen 1948, als Vertreter der Fahrzeuge der unmittelbaren Nachkriegszeit, künftig bereichern wird.
Als „Strategische Reserve“ konnte im Jahre 2007 der M-Triebwagen 4113 von einem Sammler aus dem Waldviertel übernommen werden. Die gesicherte Hinterstellung erfolgte außerhalb des Straßenbahnnetzes um ihn vor dem drohenden Verfall zu retten und ein nahezu komplettes Fahrzeug als Reserve vorzuhalten.
Für die nächsten Jahre planen wir die Restaurierung des Gelenktriebwagens F 711 in der Form als er im Jahre 1964 in den Linienverkehr gelangte. Entsprechende Vorarbeiten zur Sicherstellung benötigter Originalausrüstungsgegenstände, sowie die Befundung durch die Fachabteilungen der Hauptwerkstätte der Wiener Linien zur Festlegung des Aufwandes einer Generalinstandsetzung wurden bereits getätigt.
Dass auch der nächsten Generation die Arbeit nicht ausgeht, dafür haben wir durch die Beschaffung des L-Triebwagens 548 und des l3-Beiwagens 1852 gesorgt. Sie gehören ebenso wie der F-Triebwagen 711 zu den Vertretern der zu Beginn der Sechziger Jahre gebauten schaffnerbesetzten Einrichtungsfahrzeuge.
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Der K-Triebwagen 2447
während der Generalüberholung des Wagenkastens im März 1988 im Betriebsbahnhof
Ottakring, unserem früheren Domizil. Als Vorbereitung für die bevorstehende
Neulackierung wurden die alten Lackschichten bereits abgebeizt und einige unserer
Mitarbeiter beschleifen gerade die freigelegte Seitenwand. |
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Ein Großvorhaben stellte auch die
Generalsanierung des M-Triebwagens 4023 dar, die im Herbst 2000
erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Am 4. September 1999 präsentiert
sich der Triebwagen mit abgeräumten Dach und die Arbeiten am Untergestell
sind im vollen Gange. Foto: Ing. Harald Baminger |
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Im
Herbst 2004 begann am T1-Triebwagens 408 die
Generalinstandsetzung des Untergestells und der Fahrmotoren, die auf Grund
effizienter Arbeitsvorbereitung und –abwicklung bereits im Sommer 2005
abgeschlossen werden konnte. Am 24. November 2004 wurde, in unserem
Domizil in der Remise Speising, der Wagenkasten abgehoben, um das
Fahrgestell ausfahren zu können. |
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Sehr
aufwendig gestaltete sich die Aufarbeitung des u3-Beiwagens
1948, die im April 2008 nach einem Arbeitsaufwand von 1907 Stunden
abgeschlossen werden konnte. Seither bereichert er als Vertreter der
Fahrzeuge der unmittelbaren Nachkriegszeit das Wiener Straßenbahnmuseum.
Am 27. Juni 2007 war Kollege Mannsbart gerade mit dem Lackieren der
Holzfensterrahmen beschäftigt, während sich dahinter der 1948 mit
bereits erneuerter Plattformstirnwand präsentiert. Foto: Ing. Harald Baminger |